Diagnostische Kriterien der ADS/ADHS Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung nach: DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of the American Psychiatric Association, 1994)

Die Klassifikationssysteme psychischer Störungen definieren das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom als eine Störung mit Beginn im Kleinkindalter, der Kindheit und Adoleszenz.

In der Literatur wird noch oft auf DSM IV verwiesen, deshalb werden auch hier die Unterschiede in DSM V im Anschluss an die gebräuchliche Version angeführt.

DSM IV

Für eine ADD/ADHD-Diagnose nach DSM IV müssen entweder A1 und/oder A2 sowie B, C, D und E zutreffen.

A1 Unaufmerksamkeit (h2)

Sechs (oder mehr) der folgenden Symptome von Unaufmerksamkeit sind während der letzten sechs Monate in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessen Ausmass vorhanden gewesen:

  • beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler bei den Schul arbeiten, bei der Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten
  • hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten
    scheint häufig nicht zuzuhören, wenn andere ihn/sie ansprechen
  • führt häufig Anweisungen anderer nicht vollständig durch und kann Schularbeiten, andere Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen (nicht aufgrund oppositionellem Verhaltens oder Verständigungsschwierigkeiten)
    hat häufig Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren
  • vermeidet häufig, oder hat eine Abneigung gegen oder beschäftigt sich häufig nur widerwillig mit Aufgaben, die länger dauernde geistige Anstrengungen erfordern (wie Mitarbeit im Unterricht oder Hausaufgaben)
  • verliert häufig Gegenstände, die für Aufgaben oder Aktivitäten benötigt werden (z.B. Spielsachen, Hausaufgabenhefte, Stifte, Bücher oder Werkzeug)
  • lässt sich oft durch äussere Reize leicht ablenken
  • ist bei Alltagstätigkeiten häufig vergesslich

A2 Hyperaktivität und Impulsivität

Sechs (oder mehr) der folgenden Symptome der Hyperaktivität und Impulsivität sind während der letzten sechs Monate beständig in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmass vorhanden gewesen:

  • zappelt häufig mit Händen oder Füssen oder rutscht auf dem Stuhl herum
  • steht in der Klasse oder in Situationen, in denen Sitzen bleiben erwartet wird, häufig auf
  • läuft herum oder klettert exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist (bei Jugendlichen oder Erwachsenen kann dies auf ein subjektives Unruhegefühl beschränkt bleiben)
  • hat häufig Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen
  • ist häufig „auf Achse“ oder handelt oftmals, als wäre er/sie „getrieben“
  • redet häufig übermässig viel

  • platzt häufig mit Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist
  • kann nur schwer warten, bis er/sie an der Reihe ist
  • unterbricht und stört andere häufig (platzt z.B. in Gespräche oder Spiele anderer hinein)

B Frühes Auftreten

Einige Symptome der Hyperaktivität-Impulsivität oder Unaufmerksamkeit, die Beeinträchtigungen verursachen, treten bereits vor dem Alter von sieben Jahren auf

C Symptomausprägung

Beeinträchtigungen durch diese Symptome zeigen sich in zwei oder mehr Bereichen (z.B. in der Schule bzw. am Arbeitsplatz und zu Hause)

D Leidensdruck

Es müssen deutliche Hinweise auf klinisch bedeutsame Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsbereichen vorhanden sein.

E: Ausschluss anderer Diagnosen

Die Symptome treten nicht ausschliesslich im Verlauf einer sog. tiefgreifenden Entwicklungsstörung, einer Schizophrenie oder einer anderen psychotischen Störung auf und können auch nicht durch eine andere psychische Störung besser erklärt werden (z.B. Affektive Störung, Angststörung, Dissoziative Störung oder eine Persönlichkeitsstörung)

Änderungen im DSM-V

In der fünften und aktuellen Auflage des Klassifikationssystems DSM-V wurde die Definition der diagnostischen Kriterien der ADHS überarbeitet.

  • Die Zahl der für die Diagnose erforderlichen Symptome wurde für Patienten ab 17 Jahren von sechs auf fünf Symptome reduziert. Dies ergänzt die Diagnosemöglichkeit der ADHS im Erwachsenenalter
  • Die im DSM-IV beschriebenen Kernsymptome werden teilweise um Kriterien für die Lebensbereiche Erwachsener ergänzt
  • Die Diagnose Autismus-Spektrum-Störung wird nicht mehr als Ausschlusskriterium für die Diagnose ADHS geführt
  • Das Alterskriterium für das erste Auftreten von ADHS-Symptomen wurde vom siebten auf das 12. Lebensjahr angehoben.
  • Es finden sich nun Hinweise darüber, dass im Rahmen der Diagnosestellung zur sichereren Einschätzung der situationsübergreifenden Problematik mehrere Informanten befragt werden sollen
  • ADHS wird nun unter Neurodevelopmental Disorders kategorisiert